Historie: Haarscharf am zweiten Titel vorbei

HAARSCHARF AM ZWEITEN TITEL VORBEI

Vor der Saison 2017/18 landete der KAC Floorball mit der Verpflichtung des neuen Co-Trainers Kari-Matti Ratsula den nächsten Coup. Der ehemalige Floorball-Superstar war während seiner Spielerkarriere über zehn Jahre in der F-Liiga sowie der schwedischen Superliga aktiv und erreichte mit der finnischen Nationalmannschaft den dritten Rang bei der WM 2004. Sein Know-How sollte die Rotjacken auf das nächste Level bringen, um den Traum von zweiten Titel endlich wahr werden zu lassen.

Sturm in die bitterste Finalserie der Klubhistorie

Das Feuer in der Mannschaft wurde damit neu entfacht. Der Hunger nach dem ganz großen Erfolg war groß und zum ersten Mal seit langer Zeit malte man sich realistische Chancen aus, mit dem Titelgewinn in die Vereinsgeschichte einzugehen. Bereits im ersten Saisonspiel setzte man mit einem 7:5-Auswärtssieg beim Wiener Floorball Verein ein erstes Ausrufezeichen, nach der Regular Season belegte der KAC Floorball schließlich den zweiten Tabellenrang in der Bundesliga. Im Halbfinale lieferte man sich einen heißen Kampf mit dem VSV Unihockey. Dieser konnte zwar das erste Spiel der Best-of-three-Serie für sich entscheiden, die Rotjacken schafften jedoch den Turnaround und standen schließlich im Finale dem Wiener Floorball Verein gegenüber.

Es sollte eine denkwürdige Finalserie werden. Nachdem die Rotjacken das Auftaktspiel in Wien mit 3:2 für sich entscheiden konnten, hatten sie es selbst in der Hand: Ausgerechnet zu Hause sollte der historische zweite Titel gewonnen werden, die Sporthalle Waidmannsdorf platzte aus allen Nähten. In einem torreichen Spiel konnte der KAC Floorball einen 1:5-Rückstand wieder egalisieren und lieferte sich mit dem WFV bis zur Schlussviertelstunde einen Kampf auf Augenhöhe – in der 47. Spielminute konnten die Rotjacken tatsächlich mit 8:7 in Führung gehen. Dann folgte die wohl bitterste Wende in der Geschichte des KAC Floorball: Drei Gegentore innerhalb von sieben Minuten verhinderten die große Meisterfeier in Klagenfurt, der Traum von Titelgewinn daheim war geplatzt.

So musste die Meisterschaft im alles entscheidenden Spiel in Wien entschieden werden. So ganz erholen konnten sich die Rotjacken vom Dämpfer der vergangenen Woche jedoch nicht: Zwar konnten sie den Wienern im ersten Drittel noch tapfer die Stirn bieten, danach mussten sie jedoch verzweifelt dabei zusehen, wie der WFV sein in der Liga keineswegs unbekanntes Offensivfeuerwerk zündete. Eine 6:10-Klatsche besiegelte schlussendlich das wohl bitterste Saisonaus in der Geschichte des KAC Floorball, der dritte Vizemeistertitel nach 2004 und 2015 war nur ein schwacher Trost. Die Wunden waren tief.

KAC Floorball goes international

Direkt im Anschluss an die schwerwiegende Finalniederlage verkündete Oliver Pucher seinen Rücktritt als Cheftrainer der Rotjacken und wurde Assistant Coach der österreichischen Nationalmannschaft. Sein bisheriger Co-Trainer Kari-Matti Ratsula wurde daraufhin zum Head Coach befördert und sollte den KAC Floorball in die Saison 2018/19 und damit die neu gegründete International Floorball League (IFL) führen. Diese wurde im Sommer 2018 vom ÖFBV und dem slowenischen Verband ins Leben gerufen, um dem schon seit viele Jahren als problematisch erachteten Niveauunterschied innerhalb der nationalen Ligen zu umgehen. Je drei Teams aus beiden Nationen stiegen in die neue Liga ein.

Nachdem die Rotjacken den Grunddurchgang der IFL auf Rang fünf abschlossen und somit die Qualifikation für das Final-Four knapp verpassten, trafen sie im österreichischen Playoff-Halbfinale wieder einmal auf den VSV Unihockey. Trotz des gewonnenen Auftaktspiels der Best-of-three-Serie schaffte es der KAC Floorball nicht, sich das zweite Ticket für die Endspielserie in Folge zu sichern. Nachdem vorzeitigen Halbfinalaus verloren die Rotjacken erneut ihren Head Coach, da Kari-Matti Ratsula verkündete, nach Finnland zurückzukehren.

Interne Schwierigkeiten und Ausbruch der COVID-19-Pandemie

Vor der Saison 2019/20 wurde die IFL durch den Einstieg des ungarischen Verbandes auf neun Mannschaften aufgestockt. Als neuer Trainer der Rotjacken wurde mit Jochen Bathe ein alter Bekannter präsentiert. Dies stieß nicht bei der ganzen Mannschaft auf Wohlwollen: Mit Maximilian Obereder (zum WFV) sowie Christoph Haimburger und Joseph Holl (beide zum VSV Unihockey) verließen drei Schlüsselspieler die Mannschaft gut eine Woche vor Ligastart. Trotz eines 8:5-Auftaktsieges über den FBK Polanska Banda verlief der Grunddurchgang enttäuschend und beendete diesen mit mageren zwei Punkten auf dem vorletzten Tabellenrang. Bereits wenige Spiele zuvor kam es im Februar 2020 zu einem Trainerwechsel: Jochen Bathe, der vom Vorstand von seinen Aufgaben entbunden wurde, wurde interimistisch durch Peter Mack, der vorerst bis Saisonende als Spielertrainer fungieren sollte, ersetzt.

Trotzdem sicherten sich die Rotjacken allein aufgrund ihrer Teilnahme an der IFL ein Ticket für die österreichischen Playoffs. Aufgrund des zeitgleichen Ausbruchs der COVID-19-Pandemie wurde die Saison jedoch vorzeitig pausiert und schließlich zur Gänze und ohne ermittelten Meister abgebrochen. Von der weltweiten Unwissenheit, wie es nun weitergehen würde, waren auch die Rotjacken, die sich mit Zoom-Workouts fit zu halten versuchten, betroffen. Ob die Saison 2021/22 überhaupt stattfinden würde, stand zu diesem Zeitpunkt noch in den Sternen.